Projekttag "Kinder auf der Flucht"

Niemand in Mitteleuropa kann vor dem Thema Menschen auf der Flucht die Augen verschließen.

Und schon Grundschulkinder bekommen eine Menge durch ihre Eltern (und deren oft emotionalen Umgang mit diesem Thema) und die Medien mit. Sie hören Fremdwörter und Fachausdrücke, verstehen sie nicht - und bekommen Angst vor den Menschen, die sie nicht verstehen und die ihnen fremd sind.

Aus diesem Grund habe ich im Juni 2015 an zwei Schulen in Niederösterreich Projekttage zum Jahresthema 2015 der Kinder-Missio „Kinder auf der Flucht“ zusammengestellt und durchgeführt. Die brisante Situation in den Ländern des Südens und der Umgang von heimischen Politikern und Medien mit dem Thema Flüchtlinge inspirierte und drängte mich zur intensiven Erarbeitung des schwierigen Themas für die Kinder der Primarstufe im Rahmen eines Unterrichtsschwerpunkts und eines Projekttages.

Über den Sommer 2015 hatte sich die Lage dann noch mehr zugespitzt, der Brennpunkt der tausenden Flüchtlinge in Österreich und Deutschland findet in diesen Materialien keinen expliziten Niederschlag, der Fokus liegt mehr auf dem Verlassen der Heimat, der Gefahr, dem Leid, der Traumatisierung, der Not während der Flucht und der Toleranz gegenüber Menschen anderer Herkunft.

Im Oktober und November 2015 wurden noch einmal Projekttage an zwei weiteren Schulen in NÖ abgehalten.

 

Bei 17 Stationen können die Kinder und Jugendlichen an einigen ausgewählten Aspekten das schwierige Leben und die leidvollen Erfahrungen von Kindern auf der Flucht kennen lernen.

Die meisten Stationen sind für alle Alters- und Schulstufen der VS und ASO, viele differenzierende Angebote sind auch für ASO-Schülerinnen und -Schüler geeignet, das Computerspiel LastExitFlucht soll nur für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe angeboten werden.

 

Zwei Wochen vor dem jeweiligen Projekttag wurde in den Religionsstunden schon intensiv zum Thema „Kinder auf der Flucht“ gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler sahen und besprachen den Film „Willi im Flüchtlingslager“, lernten das Buch „Zuhause kann überall sein“ kennen und diskutierten auch teilweise recht emotional über die aktuelle Lage in Europa. Viele Themen und Aspekte wurden daher schon angesprochen, Plakate und Dekorationselemente für den Projekttag entstanden, eine interessierte und neugierige Grundstimmung herrschte im gesamten Schulhaus.

 

Der Stundenplan war am jeweiligen Projekttag aufgehoben, jede Klasse hatte zwei Schulstunden (100 Minuten) Zeit für den Besuch aller oder ausgewählter Stationen. Die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer, manchmal auch Fachkolleginnen oder Fachkollegen, die gerade laut Stundenplan Unterricht hatten, begleiteten die Klassen, teilten sie in Kleingruppen (4 bis maximal 6 Kinder) ein und unterstützten einzelne Kinder bei Bedarf. Pro Einheit waren jeweils 2 Schulklassen mit rund 50 Schülerinnen und Schülern beim Projekttag. Die Kinder aller Religionen und Konfessionen nahmen daran teil.

Die meisten Stationen hatten eine Betreuerin/einen Betreuer, manche Stationen konnten allein bewältigt werden bzw. von der Nachbarstation im Auge behalten werden. Es gab einen gemeinsamen Beginn mit einem Lied und/oder einer Fluchtgeschichte. Danach erfolgten allgemeine Informationen, anschließend bewegten sich die Schülerinnen und Schüler in den Kleingruppen ohne feste Abfolge zwischen den Stationen und besuchten frei gewählte Aufgaben, Angebote oder Spiele. Die Gruppen mussten zusammen bleiben, eine eigene Lehrkraft zur Begleitung der Gruppe gab es nur in der Sonderschule. Es wurde großer Wert darauf gelegt, dass auch Kinder mit Behinderung oder mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache bei den Stationen Angebote finden, bei denen sie mitmachen können. Es sollte nie zu Leerläufen oder Wartezeiten kommen, da es mehr Stationen als Kleingruppen gibt, und es innerhalb der Stationen meistens differenzierte Angebote und zusätzliche Beschäftigungen gibt. Das Lesezelt und die DVD bieten den Schülerinnen und Schülern auch kurze Momente der Ruhe.

 

Es ist selbstverständlich möglich, auch nur einzelne Themen oder Methoden herauszugreifen und in  einer regulären Unterrichtsstunde zu verwenden.

 

Bei den einzelnen Punkten findest du zuerst immer eine kurze Beschreibung der Station mit anschaulichen Fotos, dazu die benötigten Materialien und die Beschriftung und Impulstexte für die Station.

Zuletzt werden noch Kopiervorlagen und einige alternative Ideen angegeben.

 

1 INFOS

1a Flüchtlinge sind Menschen wie wir

1b Wovon träumen Flüchtlinge?

2 Unterkunft Zelt

2a Flüchtlingslager

2b Lesezelt

3 Flüchtlinge in der Bibel  

4 Gebet für Flüchtlinge

5 Koffer

6 Kostbares Wasser

7 Ernährung

8 Medizin

9 Spiele ohne Spielzeug

10 Fluchtgeschichten

11 Fremde Sprache, fremd sein

12 Kinderrechte Artikel 22

13 Unsere bunte Welt

14 Spiele

15 Trauma

16 Computerspiel Last Exit Flucht – nur für Sekundarstufe!

17 DVD Willi im Flüchtlingslager

 

Ziele des Projekts:

Die  Schülerinnen und Schüler versetzen sich für kurze Zeit in die Lebenssituation eines Kindes auf der Flucht. Sie setzen sich mit den Gründen auseinander, warum Flüchtlinge ihre Heimat verlassen, was sie am meisten vermissen und was sie daher in den Ländern, wo sie aufgenommen werden, am meisten brauchen.

Die Schülerinnen und Schüler bauen Vorurteile und Berührungsängste ab und erfahren, dass Flüchtlinge Menschen sind wie sie selbst auch, Menschen mit Stärken und Schwächen, mit einer Familie, Freunden, Hobbys, einer Heimat, Menschen mit einer schrecklichen Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft. Sie verstehen, dass den Kindern auf der Flucht viel Materielles und noch viel mehr ihr Grundvertrauen, ihre Geborgenheit, ihre Hoffnungen brutal und rücksichtslos genommen wurden. Die Schülerinnen und Schüler nehmen wahr, welch unermessliches Leid sich schon in den jungen Kinderseelen festgesetzt hat und zu welchen schweren Traumatisierungen es durch die Flucht kommt.

Die Kinder können mit allen Sinnen (Brei kosten, Wasser fühlen, kneten)  und vielen interaktiven Medien und Methoden (Fluchtgeschichten aufnehmen und anhören, kleine Szenen spielen, Computerspiel) Erfahrungen aus der Sicht eines Flüchtlingskindes nachvollziehen und spielerisch und empathisch mit ihrem eigenen Leben in Verbindung setzen.

Die Schülerinnen und Schüler öffnen ihren Horizont und auch ihr Herz für Menschen aus ihnen unbekannten Ländern, aus denen auch teilweise  Schüler kommen, die bei uns eine neue Heimat gefunden haben. Sie bringen Gebete, Träume und konkrete Zukunftsbilder für die Kinder auf der Flucht zur Sprache und drücken ihre Gefühle kreativ aus.

Schließlich zeigen sie eine Bereitschaft, sich für Menschen in Not einzusetzen und sich in irgendeiner Weise für die Flüchtlingshilfe zu engagieren.

 

Verwendete Medien und Materialien:

On mission Jahrbuch und Begleitheft 2014/15. www.missio.at

Grenzenlos. Eine Welt in Schule & Gemeinde. Deutsches Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, 2007. www.kindermissionswerk.de

Kinder auf der Flucht. Material für die Gemeindearbeit. Kindernothilfe, 2004. www.kindernothilfe.at

WE CARE-Schulinfopaket für Lehrer: Wasserverbrauch und Wassermangel in Deutschland und in Flüchtlingslagern im Tschad. 2008.

 

DVD Willi im Flüchtlingslager: erhältlich bei www.missio.at oder www. kindermissionswerk.de

Der Film kann auch auf You tube angesehen werden.

 

Computerspiel des UNHCR für Jugendliche: www.lastexitflucht.org

 

Gut geeignete Kinderbücher:

Irena Kobald, Freya Blackwood: Zuhause kann überall sein. 2014

Claude K. Dubois: Akim rennt. 2015






Bilder zu den Materialien und zur Gestaltung

Bilder von den Projekttagen